Benefizkonzert mit La Banda im Frankenberger Dom

„Bonjour, mon Coeur“, unter diesem Titel stand ein Konzert in der Herz-Jesu-Kirche, das am 5. Februar vom „Kirchbauverein Frankenberger Dom e. V.“ in Zusammenarbeit mit dem Ensemble La Banda veranstaltet wurde. U. a. sammelt der Verein Geld für den Fortbestand der Kirche im Frankenberger Viertel , nachdem die Zuwendungen des Bistums erheblich gekürzt worden sind. Da war das  das Angebot von La Banda , den Zweck des Vereins durch ein Benefizkonzert zu unterstützen, höchst willkommen.  So hatte denn die Vorsitzende des Vereins, Marianne Blasel, allen Grund, den Musikern von für ihr außerordentliches Engagement zu danken.

Herz Jesu, ehemals ein Ort regelmäßiger Kirchenmusik, wo sogar das Kölner Gürzenichorchester zu Gast war, scheint auf dem Weg zu sein, an die vergessene Tradition anzuknüpfen. Nach dem erfolgreichen Konzert im letzten Sommer mit Werken für Sopran und Orgel nun La Banda, ein Quartett mit Hanna Gründer, Melitta Wolf, Christian Seher – Blockflöten –  und Haremo Ikeda-Sprotte – Gambe. Stücke des 13. bis 18 Jahrhunderts sowie zwei aus jüngster Zeit wurden begleitet von ausgewählten Gedichten vom 15. Jahrhundert bis zu Ulla Hahn, vorgetragen von der bekannten Rezitatorin Magdalena Schmitz, die auch ihr schauspielerisches Talent auf adäquate Weise einzusetzen wusste. Freilich hätte man ihr eine bessere Lautsprecheranlage gewünscht.

An die kirchentypische Akustik gewöhnte man sich schnell, da sie den von Natur aus verhalteneren Tönen von Blockflöte und Gambe entgegenkam. Für die modernen Stücke, nämlich „Ode I“ von Ryohei Hirose und die „Arrangements“ von Kasimierz Serocki, erwies sich der Kirchenraum als geradezu ideal. Für die „Ode I“ hatten sich Hanna Gründer und Meliltta Wolf an den Kircheneingang gestellt und spielten so im Rücken der Zuhörer. Dadurch kam der Klang wie aus transzendenter  Ferne. Durch die eingefügten Vogelstimmenimitationen entstand  gleichsam eine Symbiose von Jenseits und Diesseits, von Ewigkeit und Welt. Meditativ auch der wunderbare Solovortrag der Gambistin, deren Pizzikato die Täuschung entstehen ließ, es spiele eine Laute.

Im schroffen Gegensatz zu diesen mystischen Stücken stand Serockis wildes Arrangement, in dem dem Hörer und Zuschauer unglaubliche Möglichkeiten der Klangerzeugung vorgeführt wurden. Nicht zu fassen, was drei Profis auf den Mundstücken ihrer Instrumente für Töne und Geräusche erzeugen können! Das war, ohne die Würde des Hauses zu verletzen, musikalisches Kabarett auf höchstem Niveau.

Mit einer Bearbeitung von Bachs Motette „Jesu, meine Freude“ fand die heilende Rückkehr in die Geborgenheit Gottes statt. Wohin besser hätte diese Musik gepasst als in eine Herz-Jesu-Kirche! Neben diesen Highlights seien nicht vergessen die mit hohem Können und stilistischer Vertrautheit dargebotenen Lied- und Tanzsätze aus Renaissance und Frühbarock. Diese nur scheinbar einfache Musik voller harmonischer und geradezu moderner rhythmischer Raffinesse hatte in La Banda kompetente Ausführende. Zudem gestatteten die ausgewählten Stücke einen Einblick in die verschiedenen Instrumente der Blockflötenfamilie und in die Fähigkeit der Spieler, die zahlreichen Varianten zu beherrschen.

Die Programmzusammenstellung durch  La Banda war dramaturgisch ein Meisterstück, indem auf subtile Weise ein Bezug zum Anlass dieses Konzerts hergestellt war. Schon Titel und Lied „Bonjour, mon coeur“ knüpften eine liebevolle Nähe zur Herz-Jesu-Kirche. Und wenn Rose Ausländer im zitierten Gedicht aufrief zu „horchen, was Bach zu sagen hat“, lässt  La Banda das hören, was Bach zu sagen hat: „Jesu, meine Freude“. Wenn im letzten vorgetragenen Gedicht, dem 18. Sonett von Shakespeare, vom Widerstand gegen die Vergänglichkeit und den Untergang des Schönen die Rede war, dann war wirklich eine Verklammerung mit dem Zweck  dieses Konzerts gelungen, nämlich einen Beitrag zu leisten, den Frankenberger Dom zu bewahren. La Banda hat für den Kirchbauverein getan, was Elisabeth Borchers in ihrem Gedicht einem Kind verspricht: „… wir steigen ein und machen die Reise zusammen.“

 

Der Dank der Zuhörer in der vollbesetzten Kirche für dieses außerordentliche Konzert war außerordentlicher Beifall – und zwei Körbchen voller Scheine und Münzen , damit die Herz-Jesu-Kirche noch lange lebe.                                                                                                                       (P.B.)